Ausstellung - Feuerwehr Lilienthal

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Ausstellung zur Geschichte der Lilienthaler Feuerwehr

Es gab mal Zeiten, in denen rauchte es bei der Feuerwehr nicht nur, wenn ein Feuer ausgebrochen war, es wurden auch Zigarren gemeinsam gequalmt. Das lässt sich jetzt im Emmi-Brauer-Haus in der Feldhäuser Straße 16 erfahren. Dort eröffnet der Heimatverein Lilienthal morgen seine Ausstellung über 120 Jahre Feuerwehr in Lilienthal. Nicht nur Feuerwehrgeschichte wird dort gezeigt, sondern auch viel über das Leben ab 1895.

 

Zusammengestellt haben die Ausstellung Rupprecht Knoop, Peter Nitzsche und Peter Richter, und sie findet an einem Ort statt, der für die Lilienthaler Feuerwehr große Bedeutung hat: Im Jahr 2013 hat der Heimatverein das Wohnhaus von seinem Gründungsmitglied Emmi Brauer geerbt. Emmi Brauer war nicht nur selbst in der Freiwilligen Feuerwehr – als Schriftführerin; Frauen an der Spritze waren damals noch nicht üblich. Vor allem aber war ihr Vater Wilhelm Brauer 23 Jahre lang, von 1936 bis 1959, Wehrführer beziehungsweise Gemeindebrandmeister. „Was lag da näher, als an dieser feuerwehrhistorischer Stätte die Geschichte seiner Wehr darzustellen?“, meint Peter Richter. Lars van den Hoogen, der heutige Lilienthaler Ortsbrandmeister, sei von der Idee begeistert gewesen und habe den Heimatforschern die Feuerwehr-Archive geöffnet.

 

Dabei stießen sie auf eine Gründungsgeschichte, die in der hiesigen Region eher ungewöhnlich ist: Die Feuerwehr wurde 1895 als Abteilung des Turnvereins TV Lilienthal gegründet. „In Baden-Württemberg gab es das häufiger, die Turner waren schließlich die sportlichen Leute“, erklärt Peter Nitzsche. In der Ausstellung sind die Artikel und Anzeigen der WÜMME-ZEITUNG ausgehängt: „Die kürzlich gewählte Commission zwecks Einrichtung einer freiwilligen Feuerwehr hielt am Donnerstag Abend im Kohlmannschen Locale (an der Hauptstraße gegenüber dem heutigen Ärztehaus) ihre erste Sitzung ab.“ Für den 3. Mai 1895 lud der TVL zu seiner Generalversammlung in den Gasthof Hotel Stadt Bremen (Murkens Hof), und am 11. September desselben Jahres wurde mit 20 Mitgliedern die „Lilienthaler Turner-Feuerwehr“ gegründet. Nun sind 120 Jahre kein echtes „rundes“ Jubiläum. Sollte man nicht vielleicht noch fünf Jahre warten bis zum 125-jährigen Bestehen? „Dann feiert bestimmt die Feuerwehr, aber wir sind der Heimatverein“, meint Peter Richter.

 

Schon 40 Jahre vor der Gründung der Turnerwehr hatte es in Lilienthal Ansätze zur Schaffung eines Löschwesens gegeben, wie auf einer der Tafeln zu lesen ist: 1855 wurde der „Spritzenverband Amt Lilienthal“ gegründet – das Amt entsprach einem heutigen Landkreis. Wiltrud Willenbrock, die in dem Standardwerk von Wilhelm Dehlwes „Lilienthal und seine Einwohner“ die Geschichte der örtlichen Vereine vorstellt, schreibt allerdings, dass nicht das Amt, sondern die Gemeinde 1855 eine „Feuersprütze nebst allem Zubehör“ anschaffte. Bedient wurde sie von einer Pflichtfeuerwehr, zu der die Bauernhöfe die Mitglieder zu stellen hatten.

 

1899, als die Stärke der Wehr bereits 50 Mann betrug, trennte sie sich vom TVL. Seitdem war sie auch für ihre Finanzen selbst zuständig, und das funktionierte unter anderem so: Am 1. März 1908 stellte Murkens Gasthof Stadt Bremen eine Rechnung in schönster deutscher Schreibschrift aus. Entziffern lässt sich unter anderem: „Zehrungskosten von 6 Abenden: 32,50. 3 Grog: –,75. 49 Bier für Musiker: 4,90.“ Prost, das Bier zum Groschen! Am 3. Oktober 1914 belief sich die Rechnung von Joh. Kohlmann im Vorgängergebäude der heutigen Postagentur an der Hauptstraße auf 60 Pfennig für „12 Cigarren“.

 

Natürlich sind nicht nur Schriftstücke ausgestellt. „Wir müssen ja die ganze Bandbreite des Interesses abdecken; manche Leute suchen ganz gezielt nach alten Dokumenten“, meint Peter Richter. Es wird aber auch einiges für das Kind im Manne (und der Frau) geboten, alte Feuerhörner und Helme, und der Bruder von Peter Richter, ein Sammler von Wiking-Automodellen, hat ein großes und ein kleines Diorama nicht nur mit roten Autos gebaut. In dem kleinen Diorama brennt gerade das Finanzamt. Darunter steht eine Dampfspritze, bei der die Dampfmaschine nicht nur den Wagen antrieb, sondern auch die Pumpe. Der große Nachteil dieser Bauart war, dass der Kessel ständig unter Dampf gehalten werden musste. „Man konnte ja nicht bei einem Einsatz erstmal zwei Stunden lang vorheizen“, meint Peter Nitzsche.

Die Lilienthaler waren ohnehin nicht so komfortabel ausgerüstet, ihre Spritzen wurden von Pferden gezogen. 1929 wurde eine Motorspritze angeschafft, etwas später auch ein gebrauchter Lastwagen, noch mit Vollgummireifen und dem Aussehen nach vermutlich aus der Zeit kurz vor oder nach dem Ersten Weltkrieg.

 

Die Ausstellung „120 Jahre Feuerwehren in Lilienthal“ widmet sich auch den anderen Ortswehren in der Gemeinde und wird am Sonnabend, 12. Dezember, um 11 Uhr im → Emmi-Brauer-Haus eröffnet. Von da an ist sie etwa ein Jahr lang dienstags von 9.30 bis 12 Uhr und sonntags von 10 bis 12 Uhr sowie nach Anmeldung unter 0 42 98 / 60 11 (Anrufbeantworter) oder 0 42 98 / 22 42 (Peter Richter) zu sehen.

 

(Text mit freundlicher Genehmigung von Johannes Kessels, Wümme-Zeitung)

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